Regula Michell – AS FOUND


Vernissage 20. August 2026, 18 Uhr
21. August bis 26. September 2026
Finissage mit Performance 26. September, 17:30 Uhr

 


Stoisch und zugleich fragil steht ein Turm im Eingangsbereich des Basislagers und erweckt mit seiner ungewöhnlichen Erscheinung Aufmerksamkeit. Er ist aus Karton, etwa zweimal so gross wie ein Mensch bestehend aus drei Teilen, die mit neongelber Schnur verbunden sind. Die einzelnen Teile weisen nach aussen gestülpte Nähte auf, die in den Farben Pink, Orange und Rot gehäkelt sind. Regula Michell hat sich entschieden, die ring ring Telefon­kabine zu verhüllen. Sie arbeitet dafür mit gebrauchtem, alltäglichem Material, in diesem Fall mit Kartonschachteln, die sie dem Warenzirkulationszyklus entwendet und temporär in die Kunstintervention einspeist. Die architektonische Skulptur wirkt einerseits einladend und andererseits abweisend. Weder ein Blick ins Innere des Turms noch dessen Betreten ist möglich. Es gibt nirgendwo eine Tür. Was verbirgt sich im Inneren des Kartonturms? Die Kabine ist nicht nur ihrer ursprünglichen Funktion enthoben, Gespräche zwischen zwei Menschen zu ermöglichen, sondern auch ihrer Folgefunktion, Raum für Kunst zu bieten. Beides scheint ob­solet geworden zu sein, denn die Kabine ist nicht mehr da. Dennoch ist in der Installation ein Dialog zwischen Aussen und Innen – zwischen Betrachter:in und Werk – angelegt. Die Künstlerin tritt als Akteurin in den Hintergrund und überlässt es den äusseren Umständen – dem Wetter, Tieren, anderen Menschen und dem Zufall –, in welche «Un»-Form sich der Turm performativ entwickelt. Es ist möglich, dass sich im geschlossenen System nach und nach Lücken auftun. Regula Michell versucht auf spielerische Weise, vor­gefasste Meinungen zu hinterfragen und Raum für neue Assoziationen zu schaffen. Eine andere Form, AS FOUND, wie es der Titel der Arbeit unterstreicht, manifestiert sich. Dieser Wandel erstreckt sich über die gesamte Ausstellungsdauer. Die äussere Hülle transformiert sich und lässt das Innere möglicherweise nach und nach hervortreten.Die Abschluss-Performance von Regula Michell findet am Samstag, 26. September, um 17:30 Uhr statt und ist integraler Bestandteil der Arbeit. Mit ihr schliesst sich der Zyklus. Zurück bleiben kaum Spuren und die Erinnerung an einen ungewöhnlichen Turm, der in einen anderen Zustand überführt wurde.

Regula Michell (*1960) lebt und arbeitet in Zürich. Seit mehr als 30 Jahren ist sie als Künstlerin tätig und schafft in ihrem Werk immer wieder neue Verbindungen – ein zentrales Element ihres künstlerischen Schaffens. Dabei setzt sie sich kritisch mit dem rasanten Wandel unserer Zeit auseinander und begibt sich selbst in einen Prozess kontinuierlicher, performativer Transformation. Mit unterschiedlichsten Materialien entstehen Skulpturen, Zeichnungen, Collagen und Installationen; seit einigen Jahren ist sie zudem als Performancekünstlerin aktiv. In Kollaboration mit anderen Kunstschaffenden realisiert sie auch  Langzeitprojekte wie beispielsweise Das Häkelobjekt, das sie gemeinsam mit Meret Wandeler seit 2004 verfolgt, oder auch das Kunsthaus Aussersihl in Zürich im Kreis 4. Im Zentrum ihrer Arbeit steht die temporäre Aneignung öffentlicher Räume und die damit verbundenen Fragen: Wem gehört der öffentliche Raum? Wer entscheidet darüber, was erlaubt ist – und was nicht?

Bilder: Regula Michell, Text: Sibylle Meier






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