Flurina Sokoll – instill
Vernissage 15. Oktober 2026 um 18 Unr
Ausstellung 16. Oktober - 21. November 2026
Ein blaues Objekt ist zusammen mit einem Element aus spiegelpoliertem Chromstahl a eine gelbe Wand montiert worden. Aus der Tradition des Stilllebens inspiriert, dieVergänglichkeit thematisierend, setzt Flurina Sokoll die verschiedenen Materialen zusammen und schafft so eine neue Komposition. Es handelt sich beim Objekt nicht meh um eine Vase. Denn sie hat ihre Funktion, Wassergefäss für Blumen zu sein, verloren. In der waagrechten Position ist sie nicht mehr Alltagsgegenstand sondern von der Assemblage - Künstlerin Flurina Sokoll kurzerhand zum Kunstwerk erklärt. Es trägt den Titel instill. Was ist mit diesem Einflössen gemeint? Bekommen wir als Betrachter:innen etwas geflüstert, eingeflösst? Und falls ja, von wem? Kein Ton und auch keine Silbe sind akustisch wahrnehmbar. Ein QR-Code führt uns dafür zu einem Text, der Teil der künstlerischen Arbeit ist. Der dialogische Austausch, den Flurina Sokoll mit dem Fundstück führt, ist Inhalt des Dokuments und verrät uns, weshalb die Wandfarbe der Telefonkabine nun einen dahliengelben Anstrich erhalten hat. Und wir erhalten Kenntnisse darüber, dass man sich Telekommunikation in ihren Anfängen als Gespräche, die wie Wasser durch Leitungen flossen, vorstellte. Diese Vorstellung greift Flurina Sokoll auf und lässt in der ehemaligen Telefonkabine Gespräche virtuell wieder fliessen. Die am Strassenrand gefundene Vase ist zur (Kunst)Leitung geworden. Der überflüssig gewordene Gegenstand erhält dadurch ein zweites Leben, ist zu einem wichtigen Narrativ geworden, um das sich die Künstlerin kümmert. Sie putzt und pflegt die Vase, bis sie wie neu aussieht und nicht mehr Wegwerfprodukt ist, sondern ein Produkt mit Wert. Flurina Sokoll gibt Denkanstösse und lädt dazu ein, sich im Spannungsfeld zwischen Vergänglichem und Lebendigem, zwischen Abfall und Sinnlichkeit, zu bewegen.
Flurina Sokoll lebt und arbeitet in Bern und ist in Chur geboren. Ihre Ausbildungen führten sie nach London zur Slade School of Fine Arts und dort zum Abschluss MFA Skulptur. An der Hochschule der Künste in Bern absolvierte sie 2025 den MA Contemporary Arts Practice in Bildende Kunst/Literarisches Schreiben. Seit 2026 ist sie Doktorandin an der Humboldt-Universität in Berlin und forscht über zeitgenössische künstlerische Praktiken in sinnlicher Beziehung zu Siedlungsabfällen unter kritischer Beleuchtung Jane Bennetts vitalem Materialismus.
In ihrer Kindheit sind die für die Künstlerin wichtigen Themen wie das Sammeln und das Komponieren – damals sind es Blumen, die sie auf dem langen Schulweg exzessiv pflückt und zu Blumensträussen bindet – bereits angelegt. Flurina Sokoll setzt sich in ihrer künstlerischen Praxis mit gefundenen Objekten auseinander, die sie am Strassenrand, in Brockenhäusern oder gelegentlich auch als Erbstücke entdeckt und sammelt. Durch neue Kombinationen transformiert sie diese Materialien in den Kunstkontext.
Bild: Flurina Sokoll, Text: Sibylle Meier


